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VIII.
Zusammenfassung
a) Charakter
An Lessings eigenen Briefen und Zeugnissen
seiner Freunde läßt sich ablesen, daß er es mit sich selbst
nicht immer leicht hatte und daß er seiner Umwelt bisweilen Rätsel
aufgab. Ein auffälliger Zug seines Charakters ist eine nervöse Unruhe,
eine rastlose Unzufriedenheit, die nach Ortsveränderungen drängt.
Lessings Unruhe zeigt sich schon im Alltäglichen. Es wird überliefert,
er habe im Theater nie vermocht, einer ganzen Vorstellung seine Aufmerksamkeit
zu widmen, ging ab und zu, sprach mit Bekannten, oder hing seinen Gedanken nach.
Seine Vorliebe für den Aufenthalt in Kaffeehäusern und Weinkellern und
seine Neigung zum Glücksspiel erklären sich offenbar aus Ablenkungs-
und Kompensationsbedürfnissen. Die innere Unrast spiegelt sich auch in der
Art von Lessings geistiger Produktivität. Viele Zeugnisse sprechen von
Ablenkbarkeit und Ungeduld, von einem Mangel an Konsequenz in der
Durchführung begonnener Arbeiten. Nicolai berichtet bei Lessing von einer
Lust am Widerspruch, in der sich sein brillianter Verstand selbst genoß
und seine Kräfte schulte. Dieser skeptische, spielerisch experimentierende
Diskussionsstil konnte schlichtere Gemüter leicht verwirren. Daß
Lessings Vorliebe für den Widerspruch nicht bloß ein dialektischer
Kunstgriff, nicht nur eine Stimulans des Denkens und Redens war, sondern
daß ihr eine gute Portion Lust am intellektuellen Streit, an der gezielten
Attacke und am Niederzwingen des Gegners wirksam war, das zeigen die
berühmten Kontroversen mit Gottsched, Gotthold, Lange, Klotz und
Götze. Lessings Polemik ist wendig, witzig und glanzvoll, aber sie ist oft
auch einseitig, ungerecht und persönlich verletzend.
Lessings Prosa ist körnig und elegant,
gelenkig und gescheit, volkstümlich und gelehrt, urdeutsch und
weltläufig. Lessings Werk ist Konfession, wie sein Leben. Er liefert eine
Galerie von Selbstporträts, in kräftigen Farben gemalt als Gestalten,
die ihm gleichen, leicht und spielerisch hingetupft, wie im Skizzenbuch zwischen
den Zeilen beiläufig eingestreut, in knappen Konturen sicher umrissen.
Sie “lessingieren” alle, sagt Friedrich Schlegel.
“Seine Stücke sind er selbst; seine Wesenheit, Form
geworden.”, sagt Hoffmannsthal.
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