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Lessing, Gotthold Ephraim (1729-1781)

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b) Erster literarischer Ruhm (1753-1755)
Es gehört zu den ungewöhnlichen Zügen von Lessings Laufbahn als Schriftsteller, daß er schon als 24jähriger eine Sammlung seiner Schriften herausgab, die auf sechs Bände anwuchs: 1753 erschienen die Gedichte und in einem zweiten Teil die “Briefe” literaturkritischen Inhalts. Ein Jahr später folgte ein Band mit “Rettungen”, d.h. historisch-kritischen Unternehmungen. Zu Beginn seiner “Rettungen des Horaz” erläutert Lessing seine Motive:
Ich selbst kann mir keine angenehmere Beschäftigung machen, als die Namen berühmter Männer zu mustern, ihr Recht auf die Ewigkeit zu untersuchen, unverdiente Flecken von ihnen abzuwischen, die falschen Verkleisterungen ihrer Schwächen aufzulösen, kurz alles das im moralischen Verstande zu tun, was derjenige, dem die Aufsicht über einen Bildersaal anvertraut ist, physisch verrichtet.
Die letzten drei Teile der “Schrifften” enthalten die dramatischen Arbeiten Lessings. Daneben stehen zahlreiche Übersetzungen, die Herausgabe der Schriften des früh verstorbenen Freundes Mylius (1755) und eine Theaterzeitschrift, die an die kurzlebigen “Beyträge” von 1750 anknüpfen sollte. Die neue “Theatralische Bibliothek” war von Lessing dazu bestimmt, im Lauf der Zeit auf unsystematische Weise “eine kritische Geschichte des Theaters zu allen Zeiten und bei allen Völkern” zu liefern. Aber auch dieses ehrgeizige Projekt brachte es nur auf vier Bände, die zwischen 1754 und 1758 erschienen. Der ungewöhnlichste literarische Plan dieser frühen Schaffensperiode deutet sich in dem 1753 veröffentlichten Fragment “Samuel Henzi” an. Hier unternimmt es Lessing, einen soeben durch Zeitungen übermittelten Vorfall zum Stoff eines Trauerspiels zu machen. Seine erstaunlich vielfältigen Aktivitäten auf dem Felde der Publizistik und der Literatur machten Lessing rasch zu einer prominenten Figur im geistigen Leben Deutschlands. Eine anregende Bekanntschaft und bald schon eine enge persönliche Freundschaft verband Lessing mit dem jungen Schriftsteller und Verleger Christoph Friedrich Nicolai und mit Moses Mendelssohn, einem Juden, der sich als Autodidakt eine umfassende philosophische und literarische Bildung angeeignet hatte. Im Umgang mit diesen Freunden fand Lessing die Möglichkeit zu dem freien, anregenden, geistvollen Gespräch, dessen seine bewegliche und nie befriedigte Intelligenz bedurfte.

c) Leipzig und Berlin (1755-1760)
Trotz des wachsenden literarischen und gelehrten Renomees fand sich für Lessing kein Amt, das seinen Lebensunterhalte gesichert hätte. In der Bemühung, sich von seinen dauernden ökonomischen Bedrängnissen zu befreien, verfiel Lessing gelegentlich auf etwas abenteuerliche Projekte. Dem besorgten Vater teilte er im April 1755 mit: “ Man hat es mir seit einiger Zeit nahe gelegt, nach Moskau zu gehen, wo, wie Sie aus Zeitungen gesehen haben, eine neue Universität angelegt wird. Dieses könnte vielleicht am ersten geschehen.”
Gegen Ende des Jahres wandte sich Lessing wieder nach Leipzig. Er nahm den früher gepflegten Umgang mit den Theaterleuten wieder auf und beschäftigte sich intensiv mit Goldonis Komödien, von denen er einen ganzen Band in bearbeiteter Fassung herausbringen wollte. Doch dieser Band wurde nie fertiggestellt.
Eine unvorhergesehene Wendung ergab sich, als Lessing den reichen Leipziger Kaufmann Christian Gottfried Winkler kennenlernte, der einen Begleiter für eine Europareise suchte. Am 10.Mai 1756 brach man von Leipzig auf und begab sich über Braunschweig und Wolfenbüttel nach Hamburg, wo Lessing Klopstock und Konrad Ekhof, den berühmtesten Schauspieler der Zeit, kennenlernte. Ende Juli trafen Lessing und Winkler in Amsterdam ein, wo sie vom Ausbruch des Dritten Schlesischen Krieges überrascht wurden. Winkler mußte nach Leipzig zurückkehren, alle Reisepläne waren im Nu zerstoben. Als Lessing Ende August wieder in Leipzig eintraf, war die Stadt von preußischen Truppen besetzt. Bald entwickelte sich eine lebhafte Freundschaft mit dem preußischen Major Ewald von Kleist, der sich bereits als Dichter einen Namen gemacht hatte. Seine Sympathien für die feindliche Seite trugen Lessing Schwierigkeiten mit den Leipzigern ein, die bekanntlicherweise auf Angreifer nicht gut zu sprechen waren. Die Bemühungen der Freunde Gleim und Kleist, für den immer noch unversorgten Lessing ein Amt als Schloßbibliothekar oder Sekretär zu finden, blieben fruchtlos. So wandte sich dieser wieder den literarischen Beschäftigungen zu, denen er sich durch seine Reise hatte entziehen wollen. Das wichtigste litterarischen Dokument aus diesen Leipziger Monaten ist der Briefwechsel mit den Berliner Freunden Mendelssohn und Nicolai, in denen es um eine theoretische Bestimmung der Tragödie geht.
Im Mai 1758 kehrte Lessing nach Berlin zurück. Er blieb auch jetzt ohne feste Beschäftigung und steckte deshalb in ewigen Geldverlegenheiten. Seinen Lebensunterhalt suchte er durch vielseitige und rastlose literarische Tätigkeit zu sichern. Zusammen mit Karl Wilhelm Ramler gab er die “Sinngedichte” Logaus heraus, er ließ die “Preußischen Kriegslieder” Gleims erscheinen und übersetzte “Das Theater des Herrn Diderot”. Anfang 1760 widmete sich Lessing der Arbeit an einer großen Abhandlung über Sophokles. Schon für den Herbst des gleichen Jahres kündigte Lessing das Erscheinen zweier Bände (von vier geplanten) an. Der Abdruck hatte bereits begonnen, als Lessing die wichtige Arbeit wegen seiner Übersiedlung nach Breslau abbrach. Die Fragmente wurden erst 1790, nach Lessings Tod, veröffentlicht.Im Jahre 1759 erschien das einaktige Trauerspiel “Philotas”. Sein Titelheld, ein in Gefangenschaft geratener junger Prinz, begeht in todessüchtigem Enthusiasmus Selbstmord, um seinen Vater bei einem Austausch der Gefangenen Zugeständnisse zu ersparen. Im gleichen Jahr wie den “Philotas” ließ Lessing seine Prosafabeln mit den dazugehörigen gattungstheoretischen Abhandlungen erscheinen, außerdem zahlreiche Beiträge zu den “Briefen, die neueste Literatur betreffend”.
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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