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Aber auch hier zeigten sich bald unüberwindliche Schwierigkeiten, da
es sowohl Lessing wie Bode an buchhändlerischer Erfahrung und an
kaufmännischen Talenten mangelte. Kein Wunder, daß Lessing sich
wieder von Hamburg zu lösen versuchte. Im Herbst 1768 schon faßte er
den Vorsatz , im folgenden Frühjahr mit dem Schiff nach Livorno und von
dort weiter nach Rom zu reisen.In den Zeitungen verbreitete sich alsbald das
Gerücht, Lessing sollte in Rom Nachfolger des 1768 ermordeten Winckelmann
werden. Als man im Frühjahr 1769 in Wien ein neues Theater-Projekt betrieb,
versuchte man Lessing zur Beteiligung zu bewegen. Man bot ihm ein
beträchtliches Gehalt und wollte dafür nur die Zusage, daß er
jährlich zwei Stücke schreiben werde. Aber Lessing lehnte dieses
Angebot aufgrund seiner Hamburger Erfahrungen ab und hielt an seinem Reiseplan
fest. Das Ende von Lessings Hamburger Aufenthalt wurde von bedrängenden
wirtschaftlichen Nöten überschattet. Um die Kosten der geplanten
Reise bestreiten zu können und um die Schulden aus dem
mißglückten Druckerei- und Verlagsgeschäft mit Bode zu bezahlen,
mußte Lessing seine große, in langen Jahren zusammengekaufte
Bibliothek versteigern lassen. Seiner Familie konnte er mit Geld nicht mehr
aushelfen. Um seine Verhältnisse halbwegs zu ordnen und um einige
litterarische Arbeiten abzuschließen, schob Lessing den Antritt seiner
Reise vor sich her. Er vollendet das Trauerspiel Emilia Galloti. Da ergab sich
im Herbst 1769 die Aussicht, daß der Braunschweiger Hof Lessing als
Bibleothekar an die berühmte Wolfenbütterler Bibliothek berufen
würde.
f) Bibleothekar zu Wolfenbüttel. Reise nach Italien
(1770-1776)
Lessing trat sein Amt als Bibliothekar des Herzogs von Braunschweig im
April 1770 an, nachdem man bereits seit Januar auf ihn gewartet hatte. Die
Bibliothek in Wolfenbüttel galt als eine der bedeutensten Europas. Lessing
wandte sich daher mit Neugier und Unternehmungslust seiner neuen Aufgabe zu,
auch wenn das Gehalt von 600 Talern nicht als üppig bezeichnet werden
konnte. Er machte Pläne zu einer Neuordnung der riesigen Buchbestände
und zu einer Durchforschung und Erschließung ihrer unbekannten
Reichtümer. Von 1773 an ließ er eine Publikationreihe erscheinen, die
den Titel “Zur Geschichte und Literatur. Aus den Schätzen der
Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel” führte und es auf sechs
Bände brachte. Im Herbst 1771 faßten Lessing und die Hamburger
Kaufmannswitwe Eva König nach einer schon länger bestehenden
Freundschaft den Entschluß zu heiraten. Lessing fühlte sich vom Hof
vernachlässigt und schlecht behandelt. Die Bedingungen seiner Anstellung
besserten sich nicht, und die im Februar 1773 angekündigte Beförderung
zum Hofrat wurde vom Erbprinzen nicht wieder zur Sprache gebracht.
Aufschlußreich sind Lessings Reaktionen auf die in diesen Jahren
hervortretende Sturm-und-Drang-Generation. Zu Herder hatte sich seit seiner
persönlichen Bekanntschaft ein gutes, von gegenseitigem Respekt getragenes
Verhältnis eingestellt. Die anderen Vertreter dieser Periode fanden jedoch
vor Lessings Augen keine Gnade. Zu Beginn des Jahres 1775 bekam Lessing die
Erlaubnis zu einer Reise, die ihn zunächst nach Berlin und Dresden, dann
weiter nach Wien führte, wo er seine Braut Eva König traf. In Wien
erscheint ihm der Braunschweiger Prinz Leopold, der die beliebte Kavalierstour
des 18. Jahrhunderts antritt. Lessing schließt sich der Bildungsfahrt an.
Die Reise dauert acht Monate, führt nach Mailand, Venedig, Livorno,
Korsika, Genua, Turin, Parma, Bologna, Rom, Neapel, in Museen und Theater, in
Buchhandlungen und Ateliers, zu Professoren und Malern, in die Peterskirche, zum
heiligen Vater, und meistens in Archive und Bibliotheken.
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