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g) Letzte Wolfenbütteler Jahre. Theologische Kontroversen
(1776-1781)
Bei der Rückkehr von seiner großen Reise im Frühjahr 1776
sah Lessing die Notwendigkeit vor sich, wieder in die von ihm als eng und
drückend empfundenen Wolfenbüttelner Amtes hineinzufinden. Als er sich
in einem letzten Versuch an den Erbprinzen wandte, seine Stellung
erträglicher zu machen, zeigte sich dieser zu einem Entgegenkommen bereit:
Lessing wurde eine Erhöhung seines Gehaltes, eine Verbesserung der
Wohnung und der Titel eines Hofrats zugesagt. Seiner Heirat stand nichts mehr im
Wege. Am 8. Oktober 1776 wurde die Ehe ohne große Förmlichkeiten auf
dem Landgut York geschlossen, das einer befreundeten Hamburger Familie
gehörte. Es gehörte zu den trübsten Erfahrungen von Lessings
letzten Jahren, daß ihm das Glück dieser Ehe schon bald wieder
genommen wurde. Weihnachten 1777 wurde ein Sohn geboren, der schon nach 24
Stunden starb und dem die Mutter, von der Geburt erschöpft, am 10. Januar
1778 ins Grab folgte. 1776 hatte er die Ernennung zum ordentlichen Mitglied der
kurfürstlichen Akademie in Mannheim angenommen. Er ließ sich auch
bewegen, Anfang 1777 anzureisen und Verhandlungen aufzunehmen. Man machte
Lessing ein Angebot für die Leitung der Nationalbühne, das er
allerdings ablehnte. In den letzten Jahren seines Lebens hat Lessing noch einige
bedeutsame geschichtsphilosophische und theologische Schriften
veröffentlicht. Zu ihnen gehört der Dialog “Ernst und Falk.
Gespräche für Freimäurer”, dessen erste drei Teile 1778
erschienen., während die beiden letzten 1780 vermutlich von einem Dritten
ohne Lessings Willen herausgegeben wurden. Aus der Zeit um 1780 häufen sich
die Berichte, daß er in Gesellschaft teilnahmslos blieb und bei Tisch
einschlief. Im Oktober dieses Jahres unternahm er eine Reise nach Hamburg, die
ihm vorübergehend wieder das Gefühl der Lebensfreude vermittelte. Bei
einem Besuch in Braunschweig starb Lessing am 15. Februar 1782 im Alter von 52
Jahren.
Totsein hat nichts Schreckliches; und insofern Ster-
ben nichts als der Schritt zum Totsein ist, kann auch
das Sterben nichts Schreckliches haben.
(Wie die Alten den Tod gebildet)
III. Lessings bedeutendste Werke
a) Miss. Sarah Sampson (1755)
Es geht um die Schuld einer Tochter, die gegen den Willen ihres Vaters mit
ihrem Geliebten geflohen ist , und es geht um die Vergebung dieser Schuld und
die Wiederherstellung der familiären Gemeinschaft. Diese Wendung aufs
Private, auf die Spähre der Familie, spiegelt die Mentalität des
Bürgertums, dem die gefühlsgetragenen häuslichen
Lebensbeziehungen als Zentrum der Existenz erscheinen. Mit Miss. Sarah Sampson,
dem ersten “bürgerlichen Trauerspiel” Deutschlands
überwand er Gotscheds, dem französichen Theater entnommenen Regeln,
den steifen Alexandriner durch eine lebensnähere Prosa ersetzend.
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