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Wir empfehlen: | |||||||||||||
V. Zeugnisse
a) Friedrich Schiller: Brief an Goethe. 4. Juni 1799
Ich lese jetzt, in den Stunden, wo wir sonst zusammenkamen, Lessings
Dramaturgie, die in der Tat eine sehr geistreiche und belebte Unterhaltung gibt.
Es ist doch gar keine Frage, daß Lessing unter allen Deutschen seinerzeit
über das, was die Kunst betrifft, am klarsten gewesen, am schärfsten
und zugleich am lieberalsten darüber gedacht und das Wesentliche, worauf es
ankommt, am unverrücktesten ins Auge gefaßt hat.
b) Friedrich Hebbel: “Emilia Galotti” 1852
Es ist nicht das Werk eines dichterischen Genius und wird doch viel lieber
gesehen als die beste Novität. Woher rührt das? Unseres Erachtens
liegt der Grund in der unendlichen Harmonie von Stoff und Form, die es in
unserer Literatur, wo diese Harmonie so selten ist, zu einer wahrhaft einzigen
Erscheinung macht. Hinter jeder Szene, ja hinter jeder Rede steht Lessing selbst
mit seinem klaren Auge, seinem hellen Blick, und weist die Ausstellungen, die
wir machen möchten, lächelnd ab, bevor wir den Mund noch öffnen
können.
c) Alfred Kerr: “Nathan der Weise” 1911
Lessing bleibt im äußeren Sinn ein hoher Zivilist. Ich habe den
heiligen Eindruck wieder, wenn ich diesen Eindruck wieder, wenn ich diese
Dichtung sehe: hier sind ein paar anständige Menschen; und rings um sie die
Sintflut. G. E. Lessing ist ein unglaublicher Vorläufer ...
... Ja, nicht Eleganz des sittlichen Fühlens gibt seiner eigenen
Zeit (und fernen Zeiten) dieser absonderlich wundersame Lausitzer; sondern jene
still strahlende ... Anständigkeit. Einen Punkt, wo die mit dem letzten
lächelnden Ernst festgehaltene Zuverlässigkeit zum Genie
wird.
d) Johann Frerking: Lessings letztes Gesicht. 1925
Lessings letztes Gesicht bezeugt klar, mit ergreifender Eindringlichkeit,
daß der Mann mehr war als alle seine Gaben, daß sein Beispiel noch
über seinen Taten und Werken ist, daß große Beispiel eines den
hellen Mächten Wahrheit, Klarheit, Menschlichkeit in reiner Leidenschaft
dargebrachten Lebens --, jenes mächtige Beispiel, das die beiden Weimarer
Xenien-Dichter fünfzehn Jahre später noch veranlaßt hat, mitten
im Hick und Hack beißender Distichen in Ehrfurcht des Toten zu
gedenken:
“Vormals im Leben ehrten wir Dich wie einen der
Götter,
Nun Du tot bist, so herrscht über die Geister dein
Geist.”
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